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Juan Melendez- Ein bewegender Vortrag

Ich las am Mittwoch, dass ein Mann hier bei uns einen Vortrag in der Kirche hält, den ich mir unbedingt ansehen und hören wollte.
Mobilisierte Eric, dass Tabita einen Papanachmittag hat, rief eine Freundin an, die sofort zusagte und ab gings bei den heissen Temperaturen in die Kirche.
Der Mann, den wir sehen wollten war Juan Melendez.
Vielen wird der Name nichts sagen, aber ich glaube wenn man einmal seine Geschichte hört, hört wie ER sie verarbeitet, dann vergisst man das nicht so schnell.

Juan Melendez wurde 1951 in Brooklyn, New York geboren und wuchs in Puerto Rico auf.
Er schlug sich, wie soviele seiner Abstammung, als Erntehelfer durch.
Nachdem in Florida wegen Hitze die Ernte erledigt war, ging er nach Pennsylvenia. Dort wurde er im Mai 1984 wegen Mordes an Delbert Baker verhaftet und in einem fragwürdigen Prozess, der nur 5 Tage dauerte, zum Tode verurteilt.

Er hatte einen Anwalt,der ihn nicht verstand und den er nicht verstand.
Er hatte eine GeschworenenJury, die aus 11 Weißen und einem AfroAmerikaner bestand. Er hatte Zeugen, Zeugen die seine Unschuld bewiesen.
Und der einzige Beweis gegen ihn war die fragwürdige Aussage eines „Freundes“, der einen Deal mit der Staatsanwaltschaft hatte, wie so oft im Amerikanischen Rechtssystem.
Nach nur 5 Tagen wurde die Todesstrafe verhängt.

Juan Melendez schlief 17 Jahre, 8 Monate und einen Tag mit Ratten und Kakerlaken im Staatsgefänginis von Florida.
17 Jahre, 8 Monate und einen Tag in einer Zelle 2x3Meter, eine Stunde Ausgang in einen Hof, der umzäunt war.
17 Jahre, 8 Monate und einen Tag ohne das Leuchten der Sterne zu sehen, den Mond, eine Wiese.
17 Jahre, 8 Monate und einen Tag in denen sich bis auf seine Mutter, die er immer wieder herzzerreißend und liebevoll erwähnt und 5 Tanten alle in seiner Familie von ihm abwendeten.

3mal wurden seine Berufungen abgelehnt.
Beim vierten Mal kam eine neue Ermittlerin.
Noch enthusiastisch.
Sie wollte es einmal noch probieren.
Sie ging zu dem Anwalt von damals, der inzwischen Richter war.
Somit konnte Juan wegen Befangenheit nicht mehr an dieses Gericht, sondern bekam eine Frau als neue Richterin.
Die Ermittlerin und Anwältin ging zu dem Anwalt. Man muss sagen, der klopfte nur immer auf Juans Schulter beim ersten Prozess und sagte: Wir bringen dich nach Hause !!!
Sie ging also hin, schilderte den Fall und der Richter meinte: Ja da stehe noch eine Kiste mit dem Namen Melendez in seinem alten Anwaltszimmer. Die könne sie ruhig mitnehmen.
Sie ging und holte die Kiste. Ihr fiel eine Kassette auf. Als sie diese in ihren Rekorder schob, kamen ihr Tränen, obwohl sie Juan kaum kannte.
Es war das Geständnis des Mörders.
Als die neue Richterin davon erfuhr orderte sie die Staatsanwaltschaft und auch diese hatte ine Kopie.Sie wussten davon. Alle.
Aufgrund eines 72seitigen Gutachtens der Richterin wurde Juan Melendes 2002 nach 17 Jahre, 8 Monate und einen Tag aus Death Row- aus der Todeszelle- entlassen.
Die Staatsanwaltschaft? Die genießt in den USA Immunität gegen Fehlurteile. Es gibt zwar eine Anordnung gegen das Zurückhalten entlastender Beweise aber wenn diese umgangen wird passiert- nichts !

Mehr als 100Dollar, eine Hose und ein Hemd bekam er nicht. Weitere Hilfen, etwa bei der Wohnungs- und Arbeitssuche oder eine psychologische Betreuung wurden ihm nicht gewährt.

Juan Melendez erzählt eine Geschichte- seine Geschichte. Aber 123 andere hätten diese Geschichte genauso erzählen können, denn 123 andere wurden ebenso bis heute nachweislich aus der Todeszelle als unschuldig verurteilt entlassen.
Unklar ist wieviele sich vorher das Leben nahmen, wie ? Auch das erzählt Juan.
Unklar ist, wieviel unschuldig verurteilte einfach sterben gelassen wurden, im Hof, ohne medizinische Hilfe, auch das erzählt Juan.
Ebenso seine Gefühle an Hinrichtungstagen, seine Gefühle gegenüber dem System und der Welt.

Aber dieser Vortrag ist überhaupt nicht voller Hass gewesen.
Juan erzählte sehr bildhaft, man konnte ab ud an richtig schmunzeln und er erzählt voller Liebe. Liebe zu Gott, denn Glaube und Hoffnung richteten ihn auf. Liebe zu seiner Mama und vor allem der Liebe zum Leben.
Kein bisschen Hass oder Verachtung sind in seinem Worten. MAn merkt einzig und allein die Wut am System. Einem System mit Fehlern. Einer Menge Fehlern. Einem entwürdigendem System entgegen aller Menschenrechte.

Juan Melendez hat die besten Jahre seines Lebens an einem Ort verbracht wo Leben nichts mehr wert ist. Wo Leben genommen wird.
Inzwischen reist er mit Hilfe von Amnesty International und anderen Vereinen durch verschiedene Länder um etwas zu verändern.
Die Todesstrafe abzuschaffen. Überall. Denn in 64 Ländern wird staatlich hingerichtet. Allein im Jahr 2004 über 3400Menschen.

In den wenigsten Ländern bekommen die Menschen überhaupt einen Prozess.

Juan Melendez ist anhörenswert, seine Geschichte bewegt. Sein Lebensweg ist ein bemerkenswertes Zeugnis für menschliche Widerstandskraft, Mut, Glauben und Hoffnung. Authentisch erfahren die Zuhörer, wie menschlicher Geist über die erdrückenden Kräfte der Entwürdigung zu triumphieren vermag.

Vielleicht ist so ein Vortrag auch in eurer Stadt- hört es euch an.
LG
schnuti, die  Juan bewundert für seinen Lebenswillen, seine Ansichten und vor allem für seine geistige Reife, Rachegedanken vollkommen ausschalten zu können.

http://www.juan-melendez-tour.de/daten.html