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9.1 Spaziergang

Spaziergang (26.07.2003)

Es ist Wochenende- endlich.
Ein Wochenende im Juli. Eigentlich sogar schon Ende Juli.
Es sollte warm sein draussen. Ist es aber nicht. Zumindest nicht so schön warm wie es in der Woche war. Aber so ist es doch irgendwie immer- wenn man keine Zeit hat, ist das schönste Wetter. Aber am Wochenende kommt das Übel. Irgendwann muss es ja schließlich kommen.
Der Tag heute ist schnell verstrichen. Ich finde, wieder einmal zu schnell für einen Tag am Wochenende. Mir kommt es so vor, als dauern die Tage in der Woche immer länger. Manchmal wollen sie gar nicht mehr enden. Es ist schon komisch.

Ich blicke kurz raus.
Naja zumindest regnet es nicht. Immerhin etwas. Obwohl ich mich frage, wie lange auch dieser Zustand noch andauern wird.

Ich beginne zu grübeln. Weiß nicht was ich anfangen soll mit dem Rest des Tages.
Ausgehen? Allein….macht es wenig Spaß.
Fernsehen? Ich werfe einen Blick in die TV- Zeitschrift…. es kommt nichts von Interesse.
Lesen? habe das neue Buch schon gelesen, zweimal hintereinander wäre wohl unsinnig.

Meine Gedanken beginnen wieder einmal Purzelbäume zu schlagen.
Ich will das nicht. Nicht schon wieder grübeln, sinnieren, zweifeln.
Irgendwas muss doch ablenken.
Warum habe ich kein gescheites Hobby, dass meine Gedanken wegpustet?
Warum kann ich sie nicht irgendwie abstellen?
Ich muss raus, irgendwohin. Irgendetwas tun, damit ich Luft bekomme.
Luft um zu atmen. Will sie einsaugen, wie ein Elixier, das alles heilt.
Ich zieh mich an, nehme meinen Schlüssel, werfe nocheinmal einen Blick um mich.
Ja, ich geh einfach raus und schau zu was passiert.

Vielleicht lenkt mich etwas ab.
Die Dame, die jeden abend zur selben zeit ihren Hund ausführt, die jugendlichen Skateboarder, die ihre Tricks vorführen oder auch nur der kleine Vogel, der umherhüpft auf der suche nach leckeren Krümeln.
Irgendwas muss mich schließlich einfangen.

Da ich nicht weiß wo ich hin will, folge ich im Stillen den Anweisungen meines großen Bruders- immer der Chefstrasse lang. Er meint damit den größeren weg.
Er macht es beim Autofahren und nur, um im Zweifels- oder auch Unglücksfalle Recht zu haben- ich, wenn ich einen Wink brauche. So ergänzt man sich.
Also gehe ich los.

Stecke meine Hände tief in die Hosentaschen. Ich spiele sonst immer an ihnen, spiele mit den Nägeln, der Nagelhaut wenn ich nachdenke, was dazu führt, das sie wirklich nicht schön aussehen. Aber was solls sag ich mir- es sind schließlich nicht die Nägel, die den Menschen ausmachen. Klar sie tragen zur Gesamterscheinung bei, doch ist die Bedeutung von Nägeln nicht manchmal ein wenig übertrieben? Finde ich zumindest. Ich beschließe auch darüber nicht weiter nachzudenken. Erstens weil sowieso jeder seine Meinung hat und zweitens weil ich diese sowieso nicht ändern kann, wahrscheinlich genauso wenig wie mein ewiges Gespiele an den Nägeln.

Ich laufe in einem Tempo von dem man ohne Umschweife sagen kann, es ist das ideale spazierengehen. Ein wenig langsamer und ich werde von dem alten Mann an Krücken eingeholt, ein wenig schneller und ich würde mit dem Jogger, der mich vor Kurzen überholte mithalten können.
Ich bewundere Menschen, die zu jeder Jahreszeit die Disziplin haben, bei jedem Wetter (Katastrophen- und Unwetterzustände einmal abgesehen)draussen zu laufen.
Ich habe zwar Durchhaltevermögen und würde schon eine gewisse Ausdauer an den Tag legen, aber alleine und aufgrund meiner dadurch entwickelten Bequemlichkeit habe ich es nicht einmal probiert.
Wahrscheinlich um nicht aufgeben zu müssen, ich hasse aufgeben. Dinge unvollendet lassen. Zu wissen, dass es an mir lag, sie zu ende zu bringen, es mir objektiv und realistisch gesehen möglich war, ich es jedoch aus irgendeinem Grund nicht getan habe. Sowas muss schon ein verdammt guter Grund sein. Daher überleg ich auch sehr lange. Daher auch die Fingernägel. Doch lieber abgefressene Nägel, als schlechte, undurchdachte Entscheidungen. Meine Meinung.

Ich beginne, die letzten Tage Revue passieren zu lassen.
Viele Ereignisse, meist Kleinigkeiten bewerte ich im stillen.
Viele Leute meinen, ich merke Kleinigkeiten eher als die Hauptsachen. Ich ziehe mich gelegentlich auch eher an ihnen hoch. Mir kommt in den Sinn, dass ich sie wirklich eher beachte. Ich rede aber meist nicht darüber. Es sind weniger neue Klamotten, andere Menschen oder sonstige von anderen als elementaren Dinge des kleinen Lebens eingestuften Sachen, die ich als Kleinigkeiten definieren würde. Für mich sind es vielmehr kurze Gesten, kleine Verhaltensweisen oder einfach nur eher der Ton, als das Gesagte, die Mimik dabei oder der Augenblick.

Ich rede auch über Dinge, die mich verletzen nicht oft. Meist sind es für viele einfach wieder nur Kleinigkeiten und weniger beachtlich, doch für mich machen Kleinigkeiten die Welt aus.
Ich glaube nicht, das ich ein Kleinkrämer bin, denn ich finde, dass gerade die kleinen Sachen viel verraten und ausmachen. Und dadurch sehr verletzen. Ich denke mir, die Menschen müßten es doch merken, wenn sie Dinge tun, die verletzen, auch wenn man nicht bestürzt reagiert. Sie müßten doch nachdenken bevor sie etwas tun und sich fragen: wie würde ich es finden, wenn jemand mir wichtiges genau das mit mir tut. Und so finde ich, müssen Gesagtes und Ungesagtes auch ohne Worte eingeschätzt werden können.

Ich bemüh mich, viele Sachen nicht allzu streng zu bewerten, aber meist gelingt es mir nicht. Dann versuch ich eben selbst so viele Möglichkeiten zu finden, sie positiv zu sehen. Einreden- so nennt man das glaube ich. Sich sagen es könnte auch so oder so sein. Man könnte es anders gemeint haben, die Ausdrucksweise war unglücklich. Trotzdem- es klappt nicht immer. Meist nicht.

Ich frage mich, wann ich so geworden bin. Nach einigen Minuten des Durchgehens der letzen Jahre und verzweifelten Suche nach der Ursache lasse ich es. Es hat vermutlich wenig Sinn. Ich bin eben so.

Da sind sie wieder.  Meine Gedanken. Über mich- über andere.
Über Beziehungen, Meinungen, Verhalten. Unweigerlich merke ich das ich schon wieder grübel, über Hauptsachen und Kleinigkeiten sinniere. Ich überlege zurückzugehen.
Es scheint ziemlich sinnlos weiterzugehen, um Gedanken abzuschütteln, die man nicht einfach abschütteln kann.

Ich schau mich um. Ich bin schon ziemlich weit und so gar nicht mehr auf der erwähnten Chefstrasse. Dunkel ist es in der Zwischenzeit auch geworden.
Ich überlege kurz, was wohl der beste Heimweg wäre, oder ob ich noch auf einen Kaffee in mein Lieblingslokal gehe und beschliesse beides.
Ich nehme den kürzesten Weg zum Lokal und schaue dann, ob ich noch einen Kaffee trinken mag.

Ich laufe und laufe…doch viele der Gedanken werde ich nicht los. Ich versuche angestrengt meinen Blick, meinen Sinn auf andere Dinge zu richten, auf Häuser, Wohnungen, Menschen, denen ich begegne.
Aber es klappt nicht. Immer wieder komme ich zurück zu mir. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Alles endet im Sein. Im ich- selbst- sein, verbunden mit den unentwegten Gedanken daran, was mich wohl zu vielen meiner Marotten, Eigenschaften und Eigenarten veranlaßt. Der Suche nach Ursachen und einem Weg die Folgen zu beheben.

So laufe ich auch automatisch am Lokal vorbei und steuere unterbewußt wieder meine Wohnung an. was solls, denke ich- dann war der Kaffeedurst wohl doch nicht so groß. Ich frag mich kurz, ob ich mir daheim einen machen sollte. Doch finde es langweilig, wieder gedankenverloren an meinem Tisch zu sitzen, um allein Kaffee zu trinken. Also lasse ich dieses Vorhaben.

Ich stecke den Schlüssel ins Schloß, betrete meine Wohnung, schalte das Licht an. alles wie immer. Nun gut- was sollte sich auch innerhalb der letzten 2 Stunden verändert haben in meinem Leben, war ich doch nichteinmal Zuhause.

Ich blicke auf die Uhr und überlege, ob es Sinn hat noch fernzusehen. Nein.
Denn ein Gutes hatte der Weg- ich bin doch müde geworden. Und so muss ich  mich nicht vor das TV Gerät setzen um wieder ins nachdenken zu verfallen. Denn genau das bewirken die meisten Samstagabendfilme. Das man über sich nachdenkt. Sei es auch nur kurz. Sei es der Liebesfilm, der mich fragen läßt, warum das Leben im Moment kein Happy- End hat für mich, sei es Fußball, der mich fragen läßt, warum ich keinen Sport treibe obwohl es sicherlich auch mir guttun würde oder sei es eine der Musiksendungen, die mich fragen läßt warum ich nicht auch mit 20 eine so tolle Stimme und Talent hatte, wie eben jene Künstler.

Also ziehe ich mich aus und gehe in mein Bett. Liege da und versuche einzuschlafen. Doch irgendwie kennen Gedanken keine Nachtruhe. Leider.
Es ist jeden Abend dasselbe Spiel. Doch ich weiß, irgendwann schlafe ich ein.
Und dann wache ich auf, es wird immer noch Wochenende sein. Doch dann wird der Tag vor mir liegen und neue Kleinigkeiten werden passieren, die ich zerpflücken kann- spätestens bei meinem nächsten Spaziergang, der mich eigentlich von ihnen abbringen soll.